Corinna Bauer - Dipl. Ing. Architektin BDA
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Tag der Baukultur

Tag der Baukultur

Bei der Verwirklichung des Projekts „LS30“, der Abkürzung von Lauteschlägerstraße 30,
war Architektin Corinna Bauer die treibende Kraft. Zwar wohnte sie mit ihrer Familie
„wunderschön“ im Dachgeschoss eines Altbaus im Johannesviertel, hatte aber das
Bedürfnis, etwas Neues auszuprobieren.
Mit ihrer Vision vom gemeinschaftlichen Wohnen mit Freunden in einem selbst entworfenen
Haus, konnte sie drei Familien aus ihrem Bekanntenkreis begeistern. Das Grundstück in der
Lauteschlägerstraße 30, auf dem alte Garagen gestanden hatten, sei ihnen dann „einfach
über den Weg gelaufen“, erzählt sie. Die schnell gegründete Bauherrengemeinschaft
bekam den Zuschlag, obwohl sich auch Bauträger um das schmale, lange Grundstück
beworben hatten.
Im Oktober 2007 war erster Spatenstich. Seit vier Jahren wohnen 16 Personen,
Erwachsene und Kinder, im zweigeschossigen Hinterhaus und neun im Vorderhaus. Durch
die Toreinfahrt gelangt man an den Stellplätzen und einer Fahrrad- und Mülltonnengarage
vorbei zum Gemeinschaftsgarten. Ins Erdgeschoss des Vorderhauses ist Corinna Bauer mit
ihrem Architekturbüro eingezogen. Die Nähe von Wohnen und Arbeit hat für sie zwar große
Vorteile, andererseits kommt es auch vor, dass sie das Gelände mehrere Tage nicht
verlässt. Weil sie es nicht muss.
Gestern öffnete sie ihren Privatbereich für eine Gruppe von Teilnehmern des „Tages der
Baukultur“. Die Mehrfamilienhäuser von „LS30“, vor allem das Hinterhaus, sind nämlich
gute Beispiele für Energieeffizienz und Wandlungsfähigkeit. Wenn die Kinder der Bewohner
flügge werden sollten und ausziehen wollen, können ihre Zimmer als eigenständige
Wohneinheit mit Nasszelle abgetrennt werden. Im Hinterhaus gäbe es dann Wohnraum für
neun Parteien. Sollten die Bewohner einmal alt werden und Hilfe brauchen, könnten sie
eine Pflegerin bei sich aufnehmen.
Um ihr Traumprojekt verwirklichen und die Vorfinanzierung leisten zu können, mussten die
vier Familien noch zwei weitere anwerben. Dies gelang. Alle haben Wohngemeinschaftsoder
Hausgemeinschaftserfahrung und gingen daher konfliktvermeidend miteinander um.
Die Gartenpflege klappt bis heute ohne große Absprachen, für die Reinigung des
Treppenhauses gibt es einen Wochenplan.
Jede Familie äußerte gegenüber der Architektin individuelle Wünsche und Bedürfnisse, die
diese zu erfüllen versuchte. Leicht fiel ihr das nicht. „Das ist schon ein dreidimensionales
Puzzle gewesen, das zurechtgeruckelt werden musste“, erinnert sich Corinna Bauer. Die
Eigentumswohnungen sind zwischen 74 und 300 Quadratmeter groß, der
Quadratmeterpreis liegt bei 2700 Euro. Es gibt nur zwei Gemeinschaftsräume: eine
Waschküche und eine Werkstatt. Der Garten umrahmt das Gebäude.
Das Vorderhaus an der Lauteschlägerstraße liegt meist im Schatten und wird mit einer
Wärmepumpe beheizt. Das Dach des sonnenverwöhnten hinteren Passivhauses eignet sich
dagegen zur Stromerzeugung mit Sonnenkollektoren. Alle Wohnungen des Passivhauses
sind mit Festbrennstofföfen ausgestattet.Von den Balkonen aus bieten sich Ausblicke zum
Hoch-zeitsturm und zur Johanneskirche. „Theoretisch ist es ruhig hier“, sagt Corinna Bauer.
Allerdings zieht der angrenzende, öffentlich zugängliche Sport- und Spielplatz der
Schillerschule viele lebhafte Jungfußballer an.
Die Bewohner der Eigentumswohnungen treffen sich häufig. Nicht nur, um Sachfragen zu
bereden, sondern auch, um miteinander zu feiern. Das ganze Jahr über bleibt die
Biertischgarnitur im Hof stehen.
Eine Genossenschaft fand das Projekt „LS30“ so vorbildlich, dass sie Corinna Bauer
beauftragt hat, für sie ein ähnliches Mehrfamilienwohnhaus in Frankfurt zu planen.

von Petra Neumann-Prystaj

 

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